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Dienstag, 25. Oktober 2011

Protipp: Perl-Modul Math::BigInt::GMP-Problem

Habe heute ein paar Stunden lang probiert, auf ubuntu für Perl das Modul Net::SFTP zu installieren. Das hängt u.a. auch von Math::BigInt* ab und insbesondere Math::BigInt::GMP hat übelste Installationsprobleme verursacht. Bei der Installation des Moduls via CPAN-Shell brach die Installation immer ab, weil make fehlgeschlagen war. Make wiederrum befand:

Can't link/include 'gmp.h', 'gmp'

Die Lösung dafür habe ich in der hinterletzten Ecke des Internets gefunden und stelle jetzt die Lösung im Zusammenhang mit meinem Grundproblem (siehe oben) dar:

Was fehlt, ist das (Nicht Perl- sondern Linux-) Package libgmp3-dev. Also flux ein apt-get install libgmp3-dev rüberhauen, dann klappt auch die Installation von Math::*GMP.

Sonntag, 18. April 2010

Alte Wohnungen, neue Wohnungen, Vulkane und sonstige lustige Tiere

Mein Umzug will und will einfach kein Ende nehmen - heute habe ich mit zwei fleißigen Helfern meine alte Wohnung in einem Rutsch gemalert. Das war ein ziemlicher Kraftakt - ich hab mir Blasen gemalert... wie dämlich ist das denn? Naja, für die alte Wohnung meiner Verlobten habe ich fast zwei Wochen benötigt.. schon doof, wenn man nur am Feierabend malern kann. Aber heute, so mit Tageslicht und so, ging das doch recht schnell.

Die Kehrseite der feierabendlichen Zuwendung zu den alten Wohnungen ist, dass in der neuen Wohnung nichts passiert... Hier stehen teilweise noch ganze Räume voll mit Kisten und Säcken und deassemblierten Möbeln. Kann sich nur noch um Monate handeln... :/

Apropos Möbel - in meiner alten Wohnung hatte ich eine ganze Reihe Möbel, die ich nicht mit in die neue Wohnung nehmen wollte. Für den Grobmüll waren sie allerdings auch noch zu gut. Also wollte ich die Möbel spenden. In Dresden gibt es dafür den Sozialen Möbeldienst vom SUFW e.V. Ohne zuviel zu verraten: Die Spende war eine einzige organisatorische Katastrophe, in der der Spender durchgängig als dämlicher Bittsteller behandelt wurde. Wendet euch nicht an den Möbeldienst, so schade es um die Idee ist - werft das Zeug auf den Grobmüll oder sucht euch die Bedürftigen selbst, aber mit dem Sozialen Möbeldienst vom SUFW e.V. habt ihr eine Menge Aufwand und Ärger, und der Verein will euch auch noch abkassieren dafür, dass ihr ihm Möbel schenken wollt. Wenn's mich reitet poste ich auch noch die Beschwerde, in der die ganze Aktion recht gut zusammengefasst ist. Für den Moment muss ich aber eher an meinen Blutdruck denken.

Abgesehen von Möbeln, Kisten, Wandfarbe und Fließenspachtel beschäftigt mich zur Zeit ein Thema sehr intensiv: Der Vulkanausbruch auf Island. Die Gesamtsituation scheint sich eher zu verschlechtern, aber die rund 150 Millionen Euro Verlust, die alle betroffenen Fluglinien in Europa momentan *pro Tag* einfahren, brennen den Chefetagen und Lobbyisten nun zunehmend in den Taschen und unter den Nägeln. So werden erste Stimmen laut, dass die Flugverbote überzogen sind. Mittlerweile haben nämlich alle großen Fluggesellschaften Testflüge unternommen und konnten wohl keine Beeinträchtigungen feststellen (aus erster Hand weiß ichs von KLM, Lufthansa und Air Berlin; aus zweiter Hand von British Airways, Air France, Transavia und Niki (Lauda soll selbst geflogen sein), morgen will auch Airbus einen Testflug durchführen). Von meinem Balkon aus konnte ich heute auch eine Landung und einen Start eines Düsenjets auf Dresden International (EDDC) beobachten, was sicherlich einer der Testflüge war (die südwärtige Schneise führt direkt über das Zentrum von Dresden, auf das ich einen hervorragenden Blick habe). Nun sind die Fluggesellschaften natürlich recht voreingenommen und möchten gern den Flugbetrieb wieder aufnehmen, so dass die Aussagen letztlich mit Vorsicht zu genießen sind.

Mehr als Worte zählen aber natürlich Taten - so hat KLM heute abend von Amsterdam aus drei kommerzielle Flüge mit Fracht nach Asien durchgeführt und bis jetzt gibt es keine Absturzmeldung. Die Frachtflüge sind die natürliche Fortsetzung der mindestens zwei Dutzend Testflüge (allein KLM hat 10 erfolgreiche Testflüge durchgeführt), und so ist es vermutlich nur noch eine Frage der Zeit, bis auf Basis dieser Testflüge die Wiederaufnahme des Passagierflugverkehrs erstritten werden wird. Was viele der Fluglinien kritisieren ist, dass die nationalen Sperrungen maßgeblich auf britischen Simulationen der Ascheverteilung basieren, und nicht auf Messdaen. So hat der Deutsche Wetterdienst erst drei Tage nach der Sperrung des deutschen Luftraums damit begonnen, Messungen durchzuführen. Problematisch bei der Bewertung der Ergebnisse ist dabei, dass es keine Erfahrungswerte für solche Situationen gibt, aus denen sich vernünftige Grenzwerte ableiten lassen würden. Der einzige kritische Zwischenfall spielte sich nämlich in unmittelbarer Nähe eines früheren Ausbruches ab, so dass davon auszugehen ist, dass die damaligen, lebensbedrohlichen Fehlfunktionen in einer Umgebung mit ungleich höherer Aschekonzentration auftraten.

Auf Twitter organisiert sich in der Zwischenzeit dynamisch Hilfe für die mehr als 150.000 gestrandeten Urlauber (Schätzungen gehen von mehr als 10 Millionen betroffenen Passagieren insgesamt aus): unter dem Tag #getmehome können Gesuche und Angebote zu Fahrgemeinschaften, Familienbahntickets etc.pp. getwittert werden. Der mehr als ironische #ashtag versammelt unter sich News und Kommentare zum Ausbruch und dessen Auswirkungen selbst. #stranded markiert Informationen von und für Personen, die an Flughäfen feststecken.
Der Informationsfluss ist dabei auf der Kurznachrichtenplattform ungleich schneller und authentischer als die Informationen, die in den Massenmedien propagiert werden. Wer Erst-Hand-Informationen haben will, sollte die folgenden Tweeps abonnieren: @AshAlerts, @KLM, @Lufthansa_de, @Eurocontrol und @marcusnugg. Hier gibt es aktuelle Vorhersagekarten für die Ascheverteilung und hier gibt es die aktuellsten Informationen auf Fluglotsenebene direkt von Eurocontrol. Über @AshAlerts kam heute zum Beispiel minutenaktuell die Nachricht rein, dass Berlin, Hannover, Erfurt und Frankfurt für beschränkte Zeit wieder Flüge zulassen wollten. In der Minute schaute ich grade einem Condor-Airbus zu, der offenbar für einen Testflug auf den Runway geleitet wurde. Ja, ich war heute mal optimistisch und hab mir auf dem Flughafen schon mal angeschaut, wo ich in zwei Wochen einchecken muss und so. Und ja, bis dahin wird wieder geflogen werden, verdammteaxt.

Hier gibt es, wie nebenan bereits notiert, eine Webcam, die den aktuell ausbrechenden Vulkan Eyjafjalla sehr anschaulich zeigt (wenn mal grad nicht bewölkt ist .. oder Nacht..). Gerade kommt zu dem Thema auch die beunruhigende Nachricht herein, dass der große Bruder vom Eyjafjalla, der Katla, unangenehme Tremorvibrationen abgibt, wie sie wohl in Ankündigung eines Ausbruchs auftreten können. Ein weiterer Ausbruch würde die Lage wohl deutlich verschlechtern, aber ich bin kein Geologe. Vielleicht bewertet ja My Geoverse die verlinkten Seisomogramme? *hinthint*

Soweit erstmal - ich versuche, hier wieder häufiger zu bloggen. (Die Aussage war bisher aber immer ein böses Omen Oo)

Samstag, 17. April 2010

Olle Feuerhügel auf ollen Eisbergen

In ihrem Blog, "My Geoverse", hat meine Schwägerin, ihres Zeichens Doktor der Geologie, einen Überblick über die Situation auf Island erstellt. Dort bricht ja gerade ein Zungenbrechervulkan namens Eyjafjallajökull aus und legt in bisher noch nicht gesehenem Ausmaß den europäischen Flugverkehr lahm.

Schaut euch den Artikel an und abonniert das Blog - ich persönlich hoffe auf weitere Updates vom Experten in den nächsten Tagen, und natürlich, dass sich der olle Berg dort baldestmöglich wieder einkriegt, denn in zwei Wochen steht bei mir ein Transatlantikflug im Soll, und da passt eine solche Luftraumsperrung so überhaupt gar nicht ins Bild.

Was mir noch fehlt, ist übrigens eine meteorologische Bewertung der Großwetterlage für die nächsten Wochen vom Experten, denn das könnte ein entscheidender Faktor sein. Kennt jemand ein entsprechendes Blog?

  • Webcam vom Vulkan (ziemlich unbeeindruckend - vorallem Nachts.. liegt wohl am isländischen Wetter - Update vom Samstag: heute hat man viel gesehen auf der Cam)

UPDATE: Aktuell sind zwar alle deutschen Flughäfen geschlossen, laut DFS ist der Überflug in FL360 und höher (12+ km) aber wieder möglich. Wer die offizielle europäische Regelung für die aktuelle Situation mal schwarz auf weiß sehen möchte, dem sei ICAO EUR Doc 019 (VOLCANIC ASH CONTINGENCY PLAN EUR REGION) von der Internationalen Zivilluftfahrtorganisation ICAO ans Herz gelegt.

PS: Auf Twitter sammelt sich einiges zum diesem Thema unter dem Hashtag #ashtag. Brüller :P

Freitag, 11. Dezember 2009

Zweiundzwanzig Weltuntergänge

Hier gibt es eine schöne Liste über vergangene Weltuntergänge.

Na, wer schafft es, die Aufzählung in die Zukunft zu extrapolieren, und dadurch die Wahrscheinlichkeit der Richtigkeit der momentan allgegenwärtigen 2012-Hysterie abzuschätzen?

Montag, 23. November 2009

Hakenkreuze an der Dresdner Synagoge - Verdächtiger ermittelt

Der Typ der am 7. November in Dresden die neue Synagoge mit Hakenkreuzen und Nazi-Parolen beschmiert hat.. tja.. der mutmaßliche Täter ist Algerier...

Da staunste - ich hatte eigentlich einen kleinwüchsigen, hässlichen Durchschnittsnazi erwartet. Was lehrt uns das? Nicht immer sofort in Stereotypen denken, sondern auch mal offen für alternative Täterprofile sein. Muslime vs. Juden - der Israel-Palästina-Streit in Elbflorenz.

Herzlichen Glückwunsch.

Mittwoch, 11. November 2009

Zusammenfassung der Hintergründe des el-Sherbini-Mordes

Wer sich mal halbwegs objektiv über die Hintergründe des Mordes am Landgericht Dresden informieren möchte, dem sei hiermit dieser Artikel auf zeit.de empfohlen. Mit diesen Informationen kann man sich seine eigene Meinung über den geständigen Mörder und die Vorwürfe gegen das Gericht bilden.

Das Urteil gegen den Russen mit deutschem Pass wird für heute erwartet.

Freitag, 6. November 2009

Relevanzdiskussion in der Wikipedia, Teil 3

Der Trägerverein der Wikipedia, der Wikimedia e.V., hat dieser Tage in Berlin zur Podiumsdiskussion geladen. Anlass war die überhitzte Diskussion der vergangenen Wochen, in denen es um ungerechtfertigte Löschungen, überhöhte Relevanzkriterien, snobistische Admins und unqualifizierte Exkrementierungen von Dritten und Bloggern ging (1, 2, 3).

Netzpolitik hat die Podiumsdiskussion in diesem Artikel sehr schön zusammengefasst. Ein richtiges Resultat gab es erwartungsgemäß nicht, jedoch wurde das Konzept von mehreren Qualitätsstufen bekräftigt. So sollen hochqualitative und gut belegte Artikel wie jetzt auch in der Wikipedia bleiben, dünn belegte oder populäre Themen wie etwa über Blogs und diverse kurz-präsente Vereine in einer Art Inkubator so lange der Vervollkommnung harren, bis sie in die eigentliche Enzyklopädie gebracht werden, ohne jedoch sofort gelöscht zu werden. Die konkrete Implementierung dessen ist noch nicht klar. Denkbar sind ein weiterer Namensraum, oder aber die Abspaltung einer "Inkupedia".

Schön finde ich die Formulierung, dass die Relevanzbewertung ein Minderheitenrecht sein sollte - wenn sich eine Minderheit dafür interessiert, sollte nicht die Mehrheit oder die "Macht" dieses absprechen können. Daraus lässt sich doch was machen.

Dienstag, 3. November 2009

Evolutionsbremsen

Aus einem Kommentar zur Shortnews "Berlin: 13-Jähriger blendete U-Bahnfahrer mit Laserpointer":
Ich bin zwar auch erst 25 und ich komme mir unheimlich alt vor wenn ich sowas sage, aber ich glaub meine Generation war mit 13 noch nicht so scheiße im Kopf wie die Evolutionsbremsen, die sich heute teilweise auf der Straße tummeln.
Full Ack.

Lesenswerter Kommentar zum Thema "SchülerVZ-Datendieb begeht Selbstmord"

.. gibt's hier zu lesen. Gut geschrieben, nur leicht (fast zu wenig) überspitzt.

Tenor: Naiver Teenie-HackerGemeingefährlicher Datenterrorist hält psychischem Druck in der U-Haft nicht stand.

Samstag, 24. Oktober 2009

Fefe in der Wikipedia: 300kb Löschdiskussion

Nachdem es nun einen kleinen Artikel über das Blog von Wikipedia-Hetzer Fefe ala Felix von Leitner gibt, entbrennt darüber - wie sollte es anders sein - eine Löschdiskussion. Die hat mittlerweile fast 300kb. Das entspricht einem Dreihunderttausend-Zeichen-Text, oder dem rund Fünfzigfachen der Länge des Artikels selbst (inklusive Löschantrag). Der Löschantrag wurde mittlerweile mehrfach entfernt (darunter von mindestens zwei Administratoren) und wieder eingestellt.

Nur weil "Fefe" eine enttäuschend dumme Diskussionskultur ("Nazi-Blockwart") eingeführt hat, heißt dass nicht, dass wir (die Wikipedia-Mitarbeiterschaft) es ihm gleichtun müssen. Das Blog ist relevant, dafür muss man Fefe nicht mögen. Ich mag ihn jedenfalls nicht, und halte das Blog trotzdem für erwähnenswert.

Was ein Kindergarten.

Donnerstag, 22. Oktober 2009

Wikipedia: Die Relevanz-Diskussion, Teil 2

Mittlerweile formiert sich Widerstand gegen die unterirdische Diskussionskultur in der aktuellen Relevanz-Debatte gegen die Wikipedia - auf Netzpolitik.org ist ein zur Vernunft aufrufender Artikel aufgetaucht, der auch eine Einladung der Wikimedia Deutschland e.V. nach Berlin enthält, um über das Problem konstruktiv zu diskutieren.

Unterdessen wurde wohl im Blog der Piratenpartei die "feindliche Übernahme" der Wikipedia (hard copy vom 22.10.09/11:00 als pdf) diskutiert, eine ambitionierte, wie bodenlos bescheuerte Idee, die nur durch die feindliche Übernahme der gesamten Adminschaft (oder der kleineren Verwaltungsbenutzergruppen darüber) zu bewältigen wäre. Auf jeden Fall in höchstem Maße unprofessionell und enttäuschend.

Fette Watsche und Schuss ins Knie, sorry.

Korrektur vom 31.10.: Wie man an der URL erkennen kann, fand die Diskussion der "feindlichen Übernahme" nicht auf dem Piraten-Blog, sondern im Piraten-Wiki statt, wo natürlich andere Publish-Regeln gelten.

Mittwoch, 21. Oktober 2009

Wunschkennzeichen? Lieber nochmal überdenken...

Programmierer haben ein Problem: Sie sind an die Vorgaben ihrer Kunden gebunden. Diese Vorgaben kommen in Form von Pflichtenheft und Use-Case-Sammlung daher. Leider wissen die Kunden häufig nicht, was sie wollen, oder noch schlimmer, die Realität unterscheidet sich von der in Auftrag gegebenen Software - eine sinnvolle Verbesserung der Programmierer, auf eigene Faust, ist praktisch ein Vertragsbruch. Zumal die sinnvolle Verbesserung meist verborgen bleibt, da die Programmierer in der Regel keine Domänenexperten sind. Das heisst, sie sind keine Experten für das, was mit der Software gemacht werden soll.

Ein schöner, derartiger Fall geistert gerade unter einem anderen Motto durch Twitter: Wunschkennzeichen in den USA. Einige "Motoristen" besorgten sich mehr oder weniger freiwillig ungewöhnliche Kennzeichen. Etwa "NO PLATE" ("Kein Kennzeichen").

Problem: Wenn der kommunale Ordnungsdienst dort vor Ort einen Strafzettel für ein Auto ausstellt, das keine Kennzeichen dran hat, dann verlangt die Strafzettel-Software eine Kennzeichenbezeichnung.. und die Polizisten tragen dann so Sachen ein wie "XXXXXXX" oder eben "NO PLATE".. und der Besitzer der ungewöhnlichen Kennzeichen bekommt nach kurzer Zeit teure Post.

Die einfache Lösung wäre, wenn die Software nicht stur auf einem gültigen Kennzeichen bestehen würde, sondern auch den Fehlerfall "Kein Kennzeichen" ausdrücklich unterstützen würde. Aber soweit hat der Auftraggeber dann wohl nicht gedacht :P

Dienstag, 20. Oktober 2009

Wikipedia-Schmäh, Fefe und Co.

Derzeit läuft insbesondere in der Blogosphäre eine Art Anti-Wikipedia-Welle herum, die sich insbesondere über die leidlichen Relevanzkriterien des größten Web 2.0-Projektes der Menschheit echauffiert. Auslöser war wohl die kürzliche und ausgesprochen fragwürdige Löschung des Artikels über den Verein "MOGIS", die für ordentlich Negativschlagzeilen in den Medien sorgte.

Gegen die Relevanz-Diskussion im Allgemeinen und Speziellen ist nichts einzuwenden - schon seit Jahren tobt der interne Kampf zwischen sogenannten Inklusionisten, also Mitarbeitern, die gern mehr Wissen, auch zu weniger klassisch-relevanten Themen, in der Wikipedia hätten und sich für das Motto "Verbessern statt Löschen" stark machen, und den Deletionisten (anscheinend abwertend für "Exklusionist"), die das Löschen von vermeintlichem oder tatsächlich Irrelevantem vorziehen. Die Diskussion an sich kommt zu keinem Ende, eine echte Lösung ist zwischen den zahlreichen Kompromissen nicht in Sicht und ist angesichts des massiven bürokratischen Overheads der Wikipedia auch nicht ohne weiteres vorstellbar.

Umso mehr ärgert mich die Art, wie die Diskussion jetzt ausserhalb der Wikipedia geführt wird. Billigste Polemik. Schmählichste Hetze, von "Geschichtsrevisionismus"(!, Fefe) ist die Rede. Vorallem die Pauschalisierung der Mitarbeiterschar und die Reduzierung auf "Nazi-Blockwarte" ist unter aller Sau, und der sonst so intellektualisierten Blogosphäre nicht angemessen. Vielmehr reduziert diese Verallgemeinerung die Tausenden aktiven und inaktiven Mitarbeiter die die Wikipedia zum Nummer Eins Nachschlagewerk im Internet machen und gemacht haben - ganz ohne Beschränkung der Allgemeinheit - zu debilen Dilettanten, die in ihrer Traumwelt leben und der Welt ihren Willen aufzwingen wollen.

Diese Sicht zeugt von Faulheit. Diejenigen haben nicht die Zeit oder die Lust, sich mit den Interna zu beschäftigen bevor sie ihren unqualifizierten, geistigen Dünnpfiff absondern - klar, ich sehe ein, dass es sehr schwer ist, in die Wikipedia abseits des Artikelnamensraumes einzusteigen - die Regeln und Konventionen haben mittlerweile ein Ausmaß angenommen, das aktive, langfristige Mitarbeit erfordert, um sie komplett kennenlernen zu können, doch andere kritische Autoren, wie etwa Herr Freistetter von AstrodictumSimplex schaffen es auch. Speckernd wie die Spatzen wird gefordert, dass "diese Mitarbeiter" doch die eigene Sicht der Dinge zu übernehmen haben, und so rutscht der Argumentationspöbel auf die selbe Stufe, die er der Relevanzdiskussion unterstellt: eine Stufe der Ignoranz. Damit disqualifizieren sich die Diskutanten selbst.

Da wird sich über Verwaltungsvorgänge diebisch gefreut, und in Seitenlöschungen und -schützungen Zeug reininterpretiert, dass es nicht mehr feierlich ist. Wenn ein Lemma, zum Beispiel angeregt von einem vielgelesenen Blogger, innerhalb von 10 Minuten fünfmal gelöscht und neu angelegt wird, wird das Lemma nunmal gesperrt, bis sich ein vernünftiger Artikel ankündigt. Wenn in einem normalen Forum ein Editwar losgeht, wird der Thread auch auf Eis gelegt, bis sich die Sache normalisiert hat - wo ist das Problem?
Da werden uralte, unzusammenhängende Edit-Ketten hervorgeholt und als symptomatisch für das ganze Vorhaben dargestellt. Leute. Das ist ein Wiki mit vielen Millionen Edits - jeder kann mitmachen - der ehrliche, grundanständige Wissenschaftler, der Klassendepp und auch der PR-Manager. Es sind alles Menschen - Stakeholder -, die ihre eigenen Interessen verfolgen, und nicht eure. Und dafür verwenden Sie die Mittel, die sich ihnen bieten. Wem das nicht passt, der muss mit genau den selben Mitteln selbst was dagegen unternehmen, denn Fakt ist: subtiler Vandalismus geht heutzutage mit vielen Hundert Edits pro Minute einfach mal unbesungen zwischen gerechtfertigten Änderungen und offensichtlichem Vandalismus unter - es gibt in der Tat zuwenige "Aufpasser".

Doch zurück zur Blockwart-Polemik und meiner zentralen These:

Die Wikipedia und ihre Belegschaft sind kein monolithischer Koloss.

Nichts, was einen einzelnen Stempel vertragen oder verdienen würde. Es gibt hunderte thematische Expertengruppen, es gibt dynamische und statische, offizielle und inoffizielle Autorenverbände, es gibt tausende Gelegenheitsgenies, es gibt Verwaltungsgruppen, es gibt Hausmeister und Gärtner, und es gibt "Blockwarte". Das alles ist ein extrem fein strukturierter, extrem vielschichtiger Organismus, der in hunderte Richtungen gleichzeitig strebt und sich deshalb nur langsam vorwärts bewegt.
Der Koloss ist demokratisch organisiert - nicht unbeschränkt basisdemokratisch - aber doch zumindest in Form einer Rätedemokratie mit dominierendem plebiszitären Element. Die Richtung ändern kann man. Aber nicht, indem man sich von außen in billigem Spott versteift. Die Wikipedia lebt vom Mitmachen und das externe Lästern über die unverstandenen Wirkmechanismen im Inneren ist noch wertloser als das Metadiskussionsgewäsch innerhalb der Wikipedia selbst.

Also: so Revoluzzer-artig das klingt: Wenn ihr was an der Wikipedia anders haben wollt, dann geht hin, und macht es scheisse-nochmal besser. Aber macht es, wie anderswo auch, unter der Maßgabe der lokalen Netiquette und des Foren-Hausrechts - plumper Vandalismus und blinder Aktionismus bringen nichts, außer einem längeren Sperrlogbuch. Beschäftigt euch mit dem Koloss, versucht, eine Sicht auf das Innere zu erlangen, beteiligt euch an den internen Abstimmungen und Diskussionen. Und wenn sich genügend vernünftige Leute zusammentun, dann ändert sich auch was zum Guten. Und wenn es nur eine qualifizierte, differenzierte Meinung ist, die dabei abfällt.

Links zum Thema, zum Teil referenziert:

(Der Autor dieses Artikels ist langjähriger aktiver Mitarbeiter - kein Admin - der Wikipedia, der Metadiskussionen verabscheut und an AGF und IAR glaubt. Er ist Inklusionist, wie die meisten der hier kritisierten Blogger es wohl wären, wenn sie an der Wikipedia mitarbeiten würden, aber er wünscht sich für diese eine differenzierten Blick auf die Wikipedia.)




Nachtrag: Snippet aus einem anderen Diskussionsfaden: Versuch der Erklärung, warum es manche Lemmas gibt, und manche nicht:


Das Problem ist, dass die WP-Gemeinschaft allergisch auf Werbung und "POV" reagiert. Ein Produkt/Buch/Verein/Partei/Marke/.. soll keinen Wettbewerbsvorteil dadurch erlangen, dass es in der Wikipedia Erwähnung findet. Darauf basieren viele der Relevanzkriterien. Hier greift der Anspruch einer Enzyklopädie - in einer etwas strengeren Form: Existierendes soll beschrieben werden - durch die Beschreibung soll sich der Artikelgegenstand möglichst nicht verändern (etwa iSv gesteigerter kommerzieller Bekanntheit).

Aus diesem Grund haben es bestimmte Lemma-Gruppen per definition schwerer als andere: gäbe es Bauchnabelfussel von verschiedenen Herstellern, stünde man vorm selben Relevanzproblem, wie es oben beschrieben ist. Aber Bauchnabelfussel ist ein kommerzneutraler Gattungsbegriff und hat deshalb keinen Wettbewerbsdruck zu befürchten. Es fühlt sich komisch an, dass am Beispiel Bauchnabelfussel zu schreiben, aber naja, was will man machen - hoffentlich wird es trotzdem klar :D

Mittwoch, 7. Oktober 2009

Soviel zum Thema Rechtsstaat...

Zum Oktoberfest sind zwei Münchner Muslime "vorsorglich in Gewahrsam" genommen worden. Ihnen wurde unterstellt, wohlmöglich in "extremistische, islamistische Personenkreise" eingebunden gewesen zu sein und sich wohlmöglich durch die beschissenen Drohvideos der dämlichen Terroristen wie Harrach "persönlich angesprochen" gefühlt zu haben, einen Anschlag aufs dümmste Volksfest der Welt zu verüben.

Zum 05.10. wurden sie schließlich ohne Anklage wieder frei gelassen.

Ey, ernsthaft: jemanden ohne Grund wegfangen, ohne konkrete Beweise oder wenigstens Indizien zu haben? Ist ein echt schlechter Scherz. Entweder ein ordentliches Verfahren, Vorbereitung von Terroranschlägen (z.B. 129a und 310 StGB), etcpp., oder eben die Grundsätze des Rechtsstaates beachten. "1984" isn Scheissdreck dagegen.

Echt toll, wie weit es diese scheiss Terrorpanik schon geschafft hat.

Dienstag, 22. September 2009

Dresdner Polizei schießt auf Autodiebe

In einer aktuellen Pressemeldung berichtet die Dresdner Polizei davon, wie sie in der Nacht einen als gestohlen gemeldeten Audi A6 überprüfen wollte und dabei fast über den Haufen gefahren worden wäre. Zwei Beamte gaben daraufhin aus Notwehr Schüsse auf die Reifen des Wagens ab.

Da frag ich mich: warum zum Teufel schießen die auf die Reifen und nicht auf die Flachzange am Steuer, wenn die sie umzufahren droht? Irgendwie fehlt denen seit längerem offenbar das richtige Gefühl für die Verhältnismäßigkeit der Mittel.

In Dresden sind übrigens in der ersten Jahreshälfte mehr Autos gestohlen wurden als im kompletten Vorjahr. Selbst die Polizei stellt mittlerweile öffentlich die Verbindung zur neuen, nun durchgängig nach Tschechien führenden A17 her :P

Freitag, 18. September 2009

Ein grünes Ei

.. das hatter gelegt, der Politiker Peter Hettlich, der für die Grünen im Bundestag sitzt und beim Versuch, Bürgernähe zu demonstrieren, ganz tief ins Urinal gegriffen hat:

Montag, 14. September 2009

Eskalierende Gewalt bei "Freiheit statt Angst 2009" in Berlin



Diese elektronisch entwackelte Version des Originalvideos zeigt die unverhältnismäßig gewalttätige Festnahme eines Demonstranten, der nach der Dienstnummer eines Polizisten fragen wollte, der zuvor einen seiner Bekannten verhaftet hatte. Die Nummer bekam er (trotz Recht darauf) nicht, dafür ordentlich paar auf die Fresse. Das ganze geschah im Rahmen der Abschlussveranstaltung von "Freiheit statt Angst 2009". Wie passend :/

Die Demonstration und der Zwischenfall fanden übrigens in Berlin statt. Nein, Berlin in Deutschland, nicht Berlin in Kolumbien.

Hier gibts jede Menge Links zu Veröffentlichungen zu diesem Thema, denn mittlerweile ist das Video auch in den "Mainstreammedien" angekommen. Es existiert zudem bereits mindestens eine Strafanzeige (PDF) gegen die Polizisten. Der CCC fordert unterdessen die bundesweite Einführung von einheitlichen Identifikationsnummern auf Polizeiuniformen.

Linkauswahl:

Sonntag, 30. August 2009

Schaulustige behindern Feuerwehr - zwei Kinder sterben

Alter Schwede: In Sangerhausen hat in der Nacht zu Sonntag ein Haus gebrannt - zwei Familien wurden in Sicherheit gebracht, doch die eine Familie, in deren Wohnung das Feuer ausgebrochen war, verlor zwei ihrer Kinder (4 und 9) aufgrund von Rauchgasvergiftungen.

Während des Feuers hatten sich 100 Schaulustige vor dem Haus versammelt und standen der Feuerwehr im Weg - die Polizei musste sogar Verstärkung anfordern, um den Rettern den Rücken freizuhalten.

Verdammte Spanner-Wichser. Gaffen wie blöde, während hinten Kinderleichen aus dem Haus gestragen werden. Müssten mMn erstmal in den Knast und dort Tag und Nacht Horrorbilder gezeigt bekommen..

Landtagswahl Sachsen 2009 - Offizielle Zwischenergebnisse Live

Hier, beim Statistischen Landesamt von Sachsen gibts zurzeit, extrem zeitnah, die offiziellen Zwischenstände und vorläufigen Endergebnisse der Landtagswahl 2009 in Sachsen.

Eins ist furchtbar peinlich: die NPD hat nicht selten (deutlich) mehr Stimmen als die Grünen bekommen. Da muss man sich als Wahlsachse einfach nur schämen (nicht dass die Grünen so wenig haben, sondern dass die Nazis so viel haben..).

Die Hauptschuldigen sind wohl aber die Nichtwähler - Dresden führt mit rund 50% Wahlbeteiligung ein einsames Spitzendasein - die sonstige Wahlbeteiligung scheint eher im Bereich von 40% zu liegen - und tja, scheiss-faules Nichtwählerpack - jeder der nicht zur Wahl gegangen ist, hat dem Rechtsextremismus heute seine Stimme geschenkt. Es ist eure Schuld. Rechtfertigt das mal gegenüber allen durchschnittlich intelligenten Besuchern im schönen Freistaat.

Recht cool ist allerdings, dass die Piraten in jedem Wahlbezirk nicht zu verachtende Listenstimmenanteile bekommen haben - im Schnitt so 400 - in den großen Universitätsstädten hab ich auch Bezirke mit weit über 1000 Piraten-Stimmen gesehen - da bin ich schon gespannt, wo die am Ende stehen - wohl unterhalb der 5%, aber mit vermuteten 2-4% auf dem Radar jedes Wahlstrategen. Das ist schonmal ein Zeichen. Man kann gespannt sein, was am Ende unterm Strich raus kommt.

Donnerstag, 13. August 2009

Du hast die freie Wahl...

Du gehst in den Knast.

Oder du gibst das Passwort für deine verschlüsselte Festplatte preis. Das gibts offensichtlich seit einiger Zeit in Großbritannien.

Soviel zum Thema "man muss sich im Strafverfahren nicht selbst belasten".
Oder gilt dieser Grundsatz nur in Deutschland?