Dienstag, 8. Juli 2008

Gedanken über den Darwin'schen Selektionsdruck auf Autobahnen

Wer kennt es nicht? Im Hochsommer mit 210 km/h über die A4 gen Osten, der Wind rauscht, die Sonne brüllt ihr erbarmungsloses Lied durch die Heckscheibe hindurch in die auf angenehme 22° klimatisierte Fahrgastzelle und während der Motor bei lächerlichen 15 Litern Super (neuerdings à 1,60 EUR+) auf 100 km seinen Reim aufsagt, passiert es schon und auch die ganze restliche Zeit über: zu Tausenden zermatschen Insekten verschiedenster Größe und Couleur an Nummernschild, Frontscheibe, Kühlergrill und Seitenspiegeln und allen anderen Teilen, die so fürs Luft-Teilen vorm Auto zuständig sind.

Tante Wikipedia weiss, dass 80% aller bekannten Tierarten den Insekten zugeordnet sind und wahrscheinlich noch einige Millionen Arten - besonders im tropischen Regenwald - unentdeckt sind. Damit stellen die Insekten - wie man leicht sieht - auch die Mehrzahl aller komplexen tierischen Individuen auf dieser Welt und haben zudem vergleichsweise kurze Lebens- und Reproduktionszyklen mit normalerweise großen Zahlen an Nachkommen.

Dies alles wirft - abgesehen von "Wie zum Teufel bekommt man eingebrannte Tierleichen aus dem Nummernschild, ohne die Druckfarbe abzuätzen und die TÜV-Siegel zu zerstören?" - eine interessante Frage auf:

Beschleunigen Autobahnen die Evolution der fliegenden Insekten?

Auf Autobahnen sterben vermutlich deutlich mehr Insekten pro Minute als in jedem anderen nicht-katastrophalen Gebiet (also ausserhalb von Waldbränden etc) der Welt. Die Exemplare, die dort sterben, haben offensichtlich den evolutionären Nachteil, für das Leben auf Autobahnen nicht angemessen ausgestattet zu sein - sowohl brain-power-mäßig als auch Panzerungs-technisch.
Da sich Insekten aber schnell und in großer Zahl reproduzieren, wird der Verlust nicht nur schnell ausgeglichen (und führt dauerhaft vermutlich zu einem Equilibrium), sondern ist auch die Chance relativ hoch, dass durch Mutation und was nich alles früher oder später ein Exemplar entsteht, dass entweder schlau genug ist, sich von Autobahnen fern zu halten, Autos auszuweichen, oder aber kräftig genug ist, um beim Zusammenprall mit heiler Haut davonzukommen (und stattdessen beispielsweise das Auto zu zerstören).
Da nun die Autobahnen dafür sorgen, dass jeden Tag weniger Dumb-Splatter-Insekten zurück zum Teich nebenan kommen, müsste doch mittelfristig der Vorteil, nicht auf Autobahnen zermatscht zu werden (sofern er überhaupt erstmal entsteht), für einen ausreichend großen Vorsprung sorgen, so dass sich dieses Feature in Populationen in der Nähe von Autobahnen dauerhaft durchsetzt.
Damit lässt sich postulieren, dass wir früher oder späte Autobahn-resistente Fluginsekten sehen werden, und zwar zu einer Art zugehörig, die heutzutage noch kilotonnenweise in Waschstraßengullis verschwindet. Wie das dann konkret ausseht vermag ich nicht einschränken zu wollen. Ich kann mir durchaus Insekten mit verstärkter Panzerung oder Pufferung vorstellen, die Scheiben und Bleche durchschlagen (:P "eehhhh, zuviele Filme geguckt, wa?" - natürlich mit Vorsicht zu genießen :P), wahrscheinlicher ist aber zugegebenermaßen, dass einige der Lemming-Insekten-Arten irgendwann die Info in ihr genetisches Gedächtnis eingebaut bekommen, dass Autobahnen böse und damit zu meiden sind.

Ich hätt zumindest nix dagegen... also.. also gegen die zweite Variante. Sonst hammer ja nach der Warnwestenpflicht bald die Schusssichere-Westenpflicht.

Kommentare:

Sera hat gesagt…

Naja, naja, da müssten ja auch Panzerkatzen und -vögle entstehen oder? Die werden doch auch reihenweise umgenietet von den Autos...

Julian hat gesagt…

Aber nicht ansatzweise in den gleichen GRößenordnungen wie Insekten. Außerdem sind Katzen im Normalfall schlau genug Autobahnen zu meiden oder wegzuspringen, Vögel ebenso, die flattern ganz fix, manchmal muss man trotzdem bremsen, aber sie tuns.. Insekten sind Draufgänger.. Wie Wärs wenn du ein paar DNS-Codes der Insekten studierst, jedes halbe Jahr? Dann sehen wir sogar Fortschritte an Hand von Beweisen :D

Schmiddi hat gesagt…

Hrm, aber wie wählt man denn da günstig Individuen aus? Vielleicht ist die Fliege grad erst in Autobahnähe gezogen weil dort ne günstige Wohnung freigeworden ist?
Und vorallem: wer schenkt mir auf die Schnelle nen Gen-Sequencer? O.O