Donnerstag, 13. Januar 2011

Review: Sushi-Lieferdienst in Dresden - Mrs. Sushi

All die Jahre, die ich nun schon in Dresden bin, habe ich eine spezielle Art Lieferdienst immer vermisst: Sushi-Bringedienste. Heute habe ich nun endlich einen entdeckt!

In der Vergangenheit war ich hier die längste Zeit als Student unterwegs - da hat man zwar nicht so viel Geld zur Verfügung und Sushi ist so ziemlich das teuerste Fast-Food, was es gibt - aber in einer Studentenstadt wie Dresden gibt es natürlich auch günstige Alternativen. Z.B. diverse Sushi-All-You-Can-Eat-Angebote bei "Sushi & Wein", dem Thailänder am Dr.-Külz-Ring oder den lustigen Leuten von Soy's Sushi Alaunstraße Ecke Louisenstraße in der Neustadt. Bei letzterem kann man an zwei Tagen in der Woche für 12,50 EUR soviel Sushi essen wie man möchte. Die Auswahl ist freilich auf einige wenige Sushi-Sorten eingeschränkt, aber die Qualität stimmt und die fehlende Vielfalt lässt sich leicht über die Quantität ausgleichen.

Soviel zur älteren Sushi-Geschichte im Hause S. In der jüngeren Geschichte war unser Konsum auf so ziemlich genau Null zurückgegangen, da meine Frau mit unserer Tochter schwanger war und Schwangere unter anderem rohen Fisch vermeiden sollen, um gewissen parasitären und bakteriellen Infektionen aus dem Weg zu gehen (Toxoplasmose, Listerien, etc.).

Nun ist unsere Tochter seit Dezember auf der Welt und ganz langsam sind die ersten geburtlichen Schockwellen am Abklingen, so dass meine Frau auch mal wieder über die ehemaligen Nahrungstabus nachdenken kann und sich heute nun an ihr "Fantum" für Sushi erinnert hat. Da die letzte Sushi-Sitzung im Allgemeinen und die letzte Suche nach einem Sushi-Lieferdienst im Speziellen nun schon über ein Jahr her waren, haben wir uns spontan mal wieder nach dem meiner Meinung nach Must-Have-Lieferdienst-für-eine-moderne-Großstadt umgesehen und sind bei einem Lieferdienst-Aggregator auf einen einzelnen Dienst namens "Mrs. Sushi" auf der Barbarastraße im Dresdner Norden gekommen. Spontan haben wir dort ein lecker klingendes Menü bestellt und geradezu fiebrig auf den Lieferanten gewartet.

Eins vorweg: Von den finanziellen Eckdaten her ist "Mrs. Sushi" für einen Lieferdienst geradezu unverschämt teuer. Der Mindestbestellwert lag bei 25 EUR, dazu kommen in jedem Fall noch 3,50 EUR Liefergebühr. Abgesehen von dem gigantischen Mindestbestellwert (mehr als dreimal so hoch wie bei unserem Stamm-Pizza-Lieferdienst Freddy Fresh!): Versandkosten bei einem Fast-Food-Lieferdienst?? Das ist geradezu frech-dekadent. Normalerweise spricht im Essensliefergewerbe ab dem Mindestbestellwert keine Sau mehr über sowas. Andere Dienste "bestrafen" Außer-Haus-Lieferungen, indem sie Selbstabholer mit Rabatten belohnen, und nicht mit Aufschlägen. Bei diesen Grundvoraussetzungen sind unsere Erwartungen sofort sehr hoch.

Die Preise selbst sind nicht-all-you-can-eat-sushi-typisch gehoben. Das billigste Menü kommt mit 8 EUR daher und enthält 3x6 vegetarische Maki-Sushi. Das teuerste Menü, das "Love"-Menü, kostet 50 EUR, und enthält - für zwei Personen - eine Flasche Tafelwein, 10 Nigiri, 12 Maki, 12 Inside-Outs und 8 "Sushi-Balls". Darunter finden sich - die Surimi-Nigiri mal außen vor - keinerlei günstig-vegetarische Stücke, sondern durchgängig hochwertige Fischsorten wie Lachs und Garnelen. Einzelsorten gibt es ab 3 EUR pro Maki-Sorte, bis hin zu 15 EUR für einen Teller Sashimi mit Salat. Angesichts des Mindestbestellwertes sind diese Möglichkeiten aber relativ uninteressant für die Lieferung. Der interessierte Sushi-Connaisseur kann sich auf der Karte (s.u.) selbst informieren. Neben den Menüs und Einzelteilen gibt es noch Getränke (Tee, Wein, Bier, Nichtalkoholisches), sowie eine kleine Auswahl Suppen (Miso) und Salate (Seetang).

Wir bestellen das "Love"-Menü für 50 EUR und zwei Personen, und sind gespannt. Angekündigt ist eine Lieferzeit von 60-90 Minuten - für eine innerstädtische Lieferung am frühen Donnerstagabend ziemlich lang - angeblich wird das Sushi aber frisch zubereitet! Nach einer Dreiviertelstunde klingelt es bereits an der Tür und die Lieferung wird von einem souveränen Herrn in den goldenen Jahren seines Lebens und Icke-Dialekt, der eher der Geschäftsführer als der Lieferjunge sein wird, gebracht und ausführlich erläutert. Besondere Aufmerksamkeit legt der Herr auf eine Spezialität des Hauses, die verschiedenen "Skin-Sushi" mit gerösteten Zwiebeln. Die gibt es in Form einer Variation der California-Roll und in Form der Sushi-Bällchen, die von der Form her letztlich an herzhafte Halloren-Kugeln erinnern.

Das Sushi ist auf drei Frischhalte-Blister verteilt und wird von vier kleinen, extra verschlossenen Pötten Soja-Sauce, einer Portion Gari und zwei Häufchen Wasabi begleitet. Dazu gibt es eine Flasche hier nicht weiterbetrachteten, günstigen, trockenen Weisswein mit Schraubverschluss und drei Paar Einmal-Ess-Stäbchen aus Holz. Der erste Eindruck vom Sushi ist - nachdem sich die störrischen Blister ihrem Schicksal ergeben haben - sehr gut: Die Stücke sehen sehr frisch aus und riechen auch so.
Einzig der Wasabi macht Sorgen.. wenn mich nicht alles täuscht, handelte es sich in unserem Fall um die billigere europäische Variante: gefärbter und nachgewürzter Standard-Meerettich, statt der originalen Wassermeerettich-Paste aus Japan. Das klumpige Verhalten in der Soja-Sauce und der auffallend süße, viel zu unscharfe Grundton sprechen für sich. Für den Preis und mit dem Anspruch eines richtigen Sushi-Imbisses ein echter Faux-Pas.

Mangels Selbstbeherrschung haben wir versäumt, das Gesamtmenü vor dessen Vernichtung zu fotografieren, so dass es an dieser Stelle lediglich ein Foto von einer späteren Phase im Lebenszyklus der Lieferung gibt:


Geschmack und Konsistenz der Teilchen erreichen letztendlich durchaus unsere hohen Erwartungen - das Sushi ist offensichtlich frisch zubereitet. Der Fisch ist frisch und schmeckt hervorragend. Der Reis der Teilchen ist etwas zu fest verarbeitet und nimmt deshalb zu wenig Soja-Sauce auf. Auch hätte der Reis etwas mehr Essig vertragen können. Die Spezialität des Hauses - die Skin-Sushis mit gerösteten Zwiebeln - ist fein abgestimmt und durchaus einen Versuch wert, auch wenn das Aroma unkonventionell ist: die verwendeten Zwiebeln sind feingranular und bestätigen die Angst vor dem Billig-Röst-Gelumpe, den es im Supermarkt für die Verwendung in Hot Dogs zu kaufen gibt, nicht. Auswahl und Komposition der gelieferten Sushi-Typen gefallen gut - lediglich die Garnelen-Nigiris brechen die Mit-Einem-Happs-Im-Mund-Konvention von Sushi und erfordern die pre-verzehrliche Ablösung der Heckflosse, was nach sonstigen kulinarischen Spielregeln jedoch eher ein Zeichen für Qualität ist.

Fazit:
Das Sushi war ausgesprochen frisch und wohlschmeckend - der Preis ist gerechtfertigt. Schade ist es um den etwas zu festen Reis und den unnötigen Wasabi-Ersatz. Ein etwas hochwertiger Wein hätte weder dem 50-EUR-Menü, noch dem Umsatz des Lieferdienstes nachhaltig geschadet. Absolute No-Gos sind die festen Versandkosten und der sehr hohe Mindestbestellwert.

In der Summe ist "Mrs. Sushi" empfehlenswert, aber aufgrund der hohen Investitionshürde nicht für die Stillung des täglichen Sushi-Jipers geeignet.


* Gefunden via: http://www.lieferservice.de/mrssushi
* Homepage mit Aktionen etc.: http://www.callsushi.de

Disclaimer: Ich bin in keiner Weise mit den genannten Marken und Produkten assoziiert und erhalte für die Erwähnung von Namen oder den Artikel als solchen keinerlei Zuwendungen von den betroffenen Unternehmen. Food-Reviews finden schon aus Gründen der Objektivität in einem anonymen Rahmen statt, um die durchschnittliche Qualität des Produktes einschätzen zu können, und spezielle Review-Auslieferungen zu vermeiden.

Kommentare:

jeanluc hat gesagt…

Gute Kritik, umfassend und informativ. Wusste bisher nichts von Sushi-Liederdienst in Dresden. Ein wunderbares Danke.

Schmiddi hat gesagt…

Na aber gerne doch :)

Anonym hat gesagt…

Die Weltmeere sind leergefischt.
Viel Spass beim Sushi mampfen.